Medikamentöse Schmerzbehandlung
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Zunächst die gute Nachricht für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Was selbst viele Ärzte nicht wissen:
Eine Schmerzbehandlung kann auch
vorbeugend erfolgen, also schon
dann, wenn Schmerzen erst erwartet werden, so z.B. etwa vor dem Ziehen eines
Zahnes. Die örtliche Betäu bung des
Zahnarztes klingt relativ schnell ab und dann kommen die Schmerzen. Wenn man
z.B. kurz vor dem Ziehen des Zahnes ein sog. peripher wirkendes, also am Ort
der Schmerzentstehung wirkendes Schmerzmittel einnimmt, so bilden sich erst
gar nicht die Botenstoffe (sog. Prostaglandine), die dann den Schmerz
auslösen. Geeignet sind nichtsteroidale (= nicht
kortisonhaltige) Antirheumatika (siehe unten), aber auch
Paracetamol.
Wird ein Eingriff, eine Operation in Vollnarkose durchgeführt, so kann man
vorher 1g Paracetamol zusammen mit 500mg Metamizol (z.B.Novalgin) intravenös
verabreichen, so daß die verlangte Nüchternheit eingehalten wird.
Folgende Arzneimittelgruppen eignen sich zu einer medikamentöse n Schmerzbehandlung:
1) In Anlehnung an den analgetischen (= Schmerzmittel betreffenden) Stufenplan, welcher 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Richtlinienentwurf für die medikamentöse Schmerzbehandlung bei tumorbedingten Schmerzen veröffentlicht wurde, empfiehlt sich nach unseren Erfahrungen ein stufenweises Vorgehen auch in der allgemeinen Schmerzbehandlung.
Am Anfang des 3-Stufenschemas (Tab. 1.1) steht die medikamentöse
Schmerzbehandlung mit nichtopioiden (=
nicht Opium-ähnlichen), vorwiegend peripheren (=
am Ort der Schmerzentstehung wirkenden)
wirkenden Substanzen.
Wenn dadurch keine zufriedenstellende
Schmerz
linderung erreicht werden kann, ist zusätzlich ein schwach
zentralwirksames Opioid (= im
Rückenmark/Gehirn wirkendes, Opium-ähnliches Schmerzmittel) indiziert. Eine Kombination von peripher und zentral
wirkenden Schmerzmitteln verbessert die Analgesiequalität
(= schmerzlindernde Wirkung), da sich die Effekte
aufgrund der unterschiedlichen Wirkprinzipien addieren. Bei ungenügender
Wirksamkeit der schwachen Opioide (= Opium-ähnliche
Substanzen)
müssen diese durch stark zentralwirkende
Schmerzmittel ersetzt werden.
Unter Einhaltung sorgfältiger Auswahlkriterien
ist der Einsatz von Opioiden (= Opium-ähnliche
Schmerzmittel)
auch zur medikamentöse n
Schmerzbehandlung von chronischen
Schmerzzuständen nicht-tumorbedingter Genese (=
Ursache) wie z.B. schwere
Schmerzen bei
degenerativen
Gelenkerkrankungen wie auch
OsteoporoseDeafferenzierungsschmerzen und
postzosterische
Neuralgie, neurogene-neuropathische Schmerzenn oder zentrale
Schmerzen) gerechtfertigt (Portenoy et Foley 1986 und
1990, Sorge et al 1991, Zenz et al 1990).
Tabelle -1- WHO-Stufenschema für die medikamentöse Schmerzbehandlung.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
In diesem Stufenschema ist auch die Möglichkeit
einer adjuvanten (= Therapie mit Begleitmedikamenten)
(Antiemetika (=
Mittel gegen Übelkeit), Säureblocker,
Laxanzien (= Abführmittel))
oder mit sogenannten Ko-Analgetika
(Kortikosteroide,
Antikonvulsiva (= Mittel gegen die
Fallsucht, krampflösend), Myotonolytika (=
Mittel zur Muskelentspannung),
Psychopharmaka (= Mittel die auf die
Psyche wirken)) berücksichtigt.
Erstere dienen der Vorbeugung
oder Behandlung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, letztere werden in der
medikamentösen Schmerzbehandlung ergänzend oder als alleinige
Behandlungsstrategie eingesetzt.
Eine schmerzdistanzierende Medikation mit Antidepressiva (= Mittel gegen Depressionen) und / oder Neuroleptika (= Mittel gegen psychische Erkrankungen) ist regelmäßig in allen Stufen sinnvoll. Die affektiv (= die Gefühlsansprechbarkeit betreffende) distanzierende Wirkung führt zur Anhebung der Schmerz schwelle und entfaltet dadurch einen analgetischen (= schmerzstillenden), analgetikapotenzierenden (= Verstärkung des schmerzstillenden Effektes von gleichzeitig eingenommenen Schmerzmittel) und analgetikasparenden Effekt. Darüber hinaus lassen sich sekundär entstandene depressive Neigungen (aber auch primäre, schmerzunabhängige) meist günstig beeinflussen. Durch parenterale Applikation (= nicht über Magen oder Darm zugeführte Verabreichung) (z.B. Infusionstherapie) wird ein rascherer Wirkungseintritt erzielt, eine Stimmungsaufhellung zeigt sich häufig schon nach wenigen Tagen.
Mischpräparate sollten wegen des erhöhten Risikos bei mißbräuchlicher Überdosierung (Schmerzmittelabhängigkeit, allergische Reaktionen, Toxizität (= Giftigkeit) nicht gegeben werden. Primär sollte die Verwendung eines Monopräparats (= Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff) angestrebt werden.
Kombinationen sind jedoch dann sinnvoll, wenn jeder Arzneistoff zur beabsichtigten analgetischen (= schmerzlindernden) Wirkung beiträgt oder die unerwünschten Wirkungen seines Kombinationspartners vermindert.
Mögliche Interaktionen (= Wechselwirkungen) sind bei den einzelnen Arzneistoffen unbedingt zu beachten. Die Einzelkomponenten müssen sich hinsichtlich Wirkungseintritt, Wirkungsdauer und Dosierungsintervall optimal ergänzen.
Als relativ unbedenklich ist eine Kombination von Paracetamol (z.B. ben-u-ron®) und Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) einzustufen, da keine wesentlichen Interaktionen zu befürchten sind und die Wirkungsdauer nahezu gleich ist (additive analgetische Wirkung). Als Analgetikum (= Schmerzmittel) mit geringster sensibilisierender Potenz erlaubt der Zusatz von Paracetamol beispielsweise eine Einsparung des Acetylsalicylsäure-Anteils, der wiederum für eine Magenunverträglichkeit verantwortlich sein kann. Entsprechende Betrachtungen lassen sich natürlich auch für den anderen Kombinationspartner anstellen. Antiphlogistisch-antipyretisch (= entzündungs-/fieberhemmende) wirksame Analgetika (NSAIDs) sollten andererseits nicht miteinander kombiniert werden. Eine sinnvolle Kombination ist die Verordnung eines peripher angreifenden Analgetikum s mit einem zentral wirkenden Opioid (z.B. Paracetamol mit Codein oder Tramadol). Die Kombination von schwachen mit starken Opioiden ist zur medikamentöse n Schmerzbehandlung kontraindiziert (= gegenangezeigt).
Tabelle -2- Mittel für die allgemeine medikamentöse Schmerzbehandlung
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1.1 Nichtopioide Schmerzmedikamente
1.2 Schwache, opioidhaltige Mittel zur medikamentöse n Schmerzbehandlung
1.3 Starke, opioidhaltige Mittel zur medikamentöse n Schmerzbehandlung
Bei chronischen Schmerzen sollten Schmerzmittel
möglichst in retardierter Form (=
mit verzögerter Wirkstofffreisetzung) und
damit längerer Wirkzeit verabreicht
werden.
Zur Vermeidung einer Abhängigkeit
von potentiell suchterregenden Schmerzmittel (Gruppe 2 und 3) sollte (muß) die
Einnahme nach festem Zeitschema entsprechend der Wirkzeit des verwendete
Schmerzmittels erfolgen.
Zur Bekämpfung unregelmäßiger und eher selten auftretender
Durchbruchschmerzen
(=
Schmerzspitzen) kann zur Basismedikation
(= Grundverordnung) bei Bedarf ein
weiteres Schmerzmittel gegeben werden.
Bei bereits auf retardiertes orales
Morphin (= morphiumhaltige Tabletten
mit verzögerter Abgabe) eingestellten
Patienten kommt dafür die schneller resorbierbare
(= im Darm aufnehmbare) wäßrige
Morphin-Lösung in Betracht, die von jedem Apotheker hergestellt werden kann.
Ist der Patient auf
Buprenorphin mit dem Schmerzpflaster (Transtec®) eingestellt, so kann bei
Durchbruchschmerzen zusätzlich die schnell
resorbierbare (= Aufnahme in den Körper)
sublinguale (= unter der Zunge
verabreichte) Form (z.B. Temgesic®) gegeben werden.
Wird die Basis- Therapie mit dem Schmerzpflaster Durogesic® (Fentanyl)
durchgeführt, so können Durchbruchschmerzen
(=
Schmerzspitzen) mit ACTIQ® abgefangen werden, diese
Fentanyl-Darreichungsform wird mit Hilfe eines speziellen Applikators über die
Wangenschleimhaut inkorporiert (= in den
Körper/Organismus eingebracht).
Eine Kombination von Opioiden sollte wegen des Agonisten/Antagonisten-Problems
(= teilweise gegenseitige Wirkungsaufhebung)
unterbleiben.
2) Auch Psychopharmaka können zur medikamentöse n Schmerzbehandlung geeignet sein
Da sich die Schmerzwahrnehmung
insbesondere bei chronischen Schmerzzuständen zu einem intensiven und
quälenden Schmerzerleben ausweiten kann, ist es sinnvoll, je nach Stimmungslage
und Antriebsverhalten, auch entsprechende Psychopharmaka
(= Mittel die auf die Psyche wirken) mit in die medikamentöse
Schmerzbehandlung aufzunehmen.
Diese sind nicht nur im Hinblick auf ihre ursprüngliche psychiatrische
Indikation (= Anzeige) von Nutzen, sondern auch
wegen ihrer teilweise eigenständigen, schmerzdistanzierenden und evtl.
zentralen (= im Gehirn) analgetischen (=
schmerzlindernden) Wirkung, wie sie inzwischen für manche Substanzen
dieser Gruppe nachgewiesen werden konnte (Wörz 1986).
Ihre Verordnung setzt eine umfassende Aufklärung des Patienten über diese
Indikation (= Anzeige) und mögliche Nebenwirkungen
voraus. Sie wird oft abgelehnt, da viele Patienten die Gabe von Psychopharmaka
wie eine psychiatrische Etikettierung empfinden und sich dadurch diffamiert
fühlen.
Als zusätzliche Medikation oder allein eignen sich zur medikamentöse n Schmerzbehandlung :
2.1
Antidepressiva
2.2 Neuroleptika
2.3 Lithiumsalze
2.4 Tranquilizer
(Benzodiazepine)
Die Auswahl und eine evtl. Kombination aus diesen Medikamenten sollte sich nach dem jeweiligen psychischen Zustand des Patienten richten (Ausnahme: Lithium auch beim Clusterkopfschmerz), wobei die sedierende (= beruhigende) Wirkkomponente besonderer Beachtung bedarf (Straßenverkehr!); die erforderliche Dosierung ist in der medikamentöse n Schmerzbehandlung meist geringer als in der Psychiatrie.
Im Sinne einer medikamentöse n Schmerzbehandlung beschränken wir uns im folgenden auf eine überschaubare Anzahl gut untersuchter Präparate, die sich auch bei uns bewährt haben.
2.1 Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (= Mittel gegen "traurige Verstimmung") zur medikamentöse n Schmerzbehandlung
Eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva (Synonyma (= weitere gebräuchliche Bezeichnungen): Thymoleptika, Thymoanaleptika) ist in erster Linie bei endogenen (= aus innerer Ursache, anlagebedingt) Depressionen (= "traurige Verstimmung") indiziert. Wegen des affektiv (= die Gefühlswallung betreffenden) distanzierenden Effektes, mit Anhebung der Schmerzschwelle, und ihrer analgetischen (= schmerzlindernden) Potenz eignen sich Antidepressiva zur adjuvanten (= in Arzneimitteln ein selbst unwirksamer, aber die Wirkung der anderen Komponenten fördernder Bestandteil) medikamentöse n Schmerzbehandlung wie auch zur primären Therapie chronischer Schmerzzustände. Die affektiv distanzierende Wirkung führt zur Anhebung der Schmerzschwelle und entfaltet dadurch einen analgetischen, schmerzmittelpotenzierenden und schmerzmitteleinsparenden Effekt. Darüber hinaus lassen sich sekundär entstandene (= z.B. auf chronische Schmerzen zurückzuführende) depressive Neigungen (aber auch primäre, schmerzunabhängige) meist günstig beeinflussen.
In der Regel treten zu Beginn der Behandlung die
sedierenden (= beruhigenden) und die unerwünschten
vegetativen (= z.B. vermehrtes Schwitzen)
Eigenschaften auf, nach etwa einer Woche kommt die antriebssteigernde (thymeretische)
Wirkung hinzu. Erst nach 2-3 Wochen ist mit dem depressionslösenden,
stimmungsaufhellenden (thymoleptischen) Effekt zu rechnen.
Da alle Antidepressiva in unterschiedlicher Ausprägung eine sedierend
anxiolytisch (= beruhigende, angstlösende), depressionslösende oder auch eine antriebssteigernde
(hemmungslösend) Wirkung entfalten können, erfolgt der Einsatz eines
geeigneten Antidepressivums generell nach der jeweiligen Leitsymptomatik des
depressiven Zustandbildes unter besonderer Berücksichtigung bestimmter
Zielsymptome.
Empfehlenswert ist bei diesen Substanzen zur medikamentöse n Schmerzbehandlung eine einschleichende (auch ausschleichende) Dosierung, wobei die antidepressive (= gegen die traurige Verstimmung gerichtete) Tagesdosis in den ersten drei Tagen aufgebaut wird. Ab dem vierten Tag wird dann auf die Erhaltungsdosis umgesetzt. Zweckmäßigerweise werden bei sedierenden Antidepressiva zwei Drittel der Gesamtdosis abends verabreicht. Die zur Schmerzbehandlung erforderlichen Psychopharmaka-Dosierungen sind allgemein niedriger anzusetzen. Durch parenterale (= unter Umgehung des Magen/Darm-Traktes, also als Spritze, Infusion) Applikation, z.B. durch Infusionstherapie, wird ein rascherer Wirkungseintritt erzielt, eine Stimmungsaufhellung zeigt sich häufig schon nach wenigen Tagen
Tabelle: Wirkungsspektren der wichtigsten, antidepressiv wirkenden Psychopharmaka
A n t i d e p r e s s i v a (Klassifizierung) Zielsymptome
----------------------------------------------------------------------------------------
stimmungsaufhellend:
| Clomipramin (z.B. Anafranil®) | a | depressive Stimmung |
| Desipramin (z.B. Pertofran®) | a | depressive Stimmung |
| Maprotilin (z.B. Ludiomil®) | b | Gedrücktheit |
| Mianserin (z.B. Tolvin®) | b | Grübelzwang |
| Nortriptylin (z.B. Nortrilen®) | a | Gewißheit von Schuld |
sedierend anxiolytisch (= beruhigend, angstlösend):
| Trimipramin (z.B. Stangyl®) | a | Angst, Getriebenheit |
| Amitriptylin (z.B. Laroxyl®) | a | Hypochondrie (= u.a. gesteigerte Selbstbeobachtung) |
| Amitriptylinoxid (z.B. Equilibrin®) | a | Erwartungsangst |
| Maprotilin (z.B. Ludiomil®) | b | innere Unruhe |
| Opipramol (z.B. Insidon®) | c | Selbstanklage |
| Doxepin (z.B. Aponal®) | a | Jammern |
antriebssteigernd:
| Nortriptylin (z.B. Nortrilen®) | a | Antriebsschwäche |
| Clomipramin (z.B. Anafranil®) | a | Ideenarmut |
| Fluoxetin (z.B. Fluctin®) | c | Entscheidungsschwäche |
| Fluvoxamin (z.B. Fevarin®) | c | Unentschlossenheit |
-----------------------------------------------------------------------------------------
Klassifizierung (modifiziert nach Kielholz 1972):
a trizyklisches Antidepressivum
b tetrazyklisches Antidepressivum
c nicht "klassifizierbares" Antidepressivum
d Monoaminoxidasehemmer
Vegetative Nebenwirkungen (z.B. Schwitzen, Schwindel, Gewichtszunahme) sind vor allem bei den zuerst entwickelten trizyklischen Antidepressiva vorherrschend, bei den tetrazyklischen, insbesondere bei "nicht klassifizierbaren" Antidepressiva, werden diese jedoch weniger beobachtet.
2.2 Neuroleptika (= Mittel, die die psychische Anspannung herabsetzen)
Wenn chronische Schmerzzustände mit ausgeprägten
Störungen der Emotionalität (= Gefühls
bewegung)
und des leiblichen Wohlbefindens einhergehen, können zur medikamentöse n
Schmerzbehandlung auch neuroleptisch
wirksame Psychopharmaka indiziert (= angezeigt) sein. Durch ihren modulierenden Einfluß auf
das affektiv-motivationale (= die Gesamtheit der seelisch-dynamischen Faktoren, die das augenblickliche Verhalten bestimmen)
Schmerzerleben wie auch auf die kognitive (= das Erkennen,
Wahrnehmen und Denken betreffende) Schmerzverarbeitung bildet die
zusätzliche Therapie mit Neuroleptika eine wertvolle Alternative zu den traditionellen
Strategien der
Schmerzbehandlung.
Ob dabei Neuroleptika selbst analgetisch (= schmerzlindernd)
wirken, konnte bislang nicht eindeutig bestätigt werden.
Bei einem Einsatz zur medikamentöse n
Schmerzbehandlung erweist sich die Kombination mit einem Antidepressivum als vorteilhaft, im
allgemeinen genügen dann niedrigere Dosen als bei einer Monotherapie.
Tabelle: Wirkungsspektren
der gebräuchlichsten Neuroleptika zur
medikamentöse n
Schmerzbehandlung
--------------------------------------------------------------------------------------------------
Antipsychotische Potenz (APP) (=
Wirkung auf vorübergehende oder sich stetig verschlechternde psychiatrischen Erkrankungen mit erheblicher Beeinträchtigung psychischer Funktionen)
Psychomotorische Dämpfung (PMD) (=
Dämpfung der die Bewegungsvorgänge des Körpers beeinflussenden dynamischen Struktur der Psyche)
Neuroleptikum APP PMD
Sulpirid (Dogmatil®) stark gering
Hochpotente Neuroleptika sind mit einem höheren Risiko
extrapyramidalmotorischer (= Muskeltonus und Bewegungsabläufe
betreffende) Störungen (Frühdyskinesien, Parkinsonoid, Akathisie
oder Spätdyskinesie) behaftet und werden bei Neuroleptika mit geringer
antipsychotischer Wirkungsintensität seltener beobachtet. Durch zusätzliche
Gabe eines Anticholinergikums wie Biperiden (Akineton®,
bis 8mg täglich) lassen sich jedoch neuroleptogene dyskinetische (=
Störung oder schmerzhafte Fehlfunktion eines Bewegungsablaufs betreffende)
Reaktionen weitgehend neutralisieren.
Umgekehrt treten bei schwachpotenten Neuroleptika neben dem erwünschten
psychomotorisch- dämpfenden und schlafanstoßenden Effekt vermehrt auch
störende vegetative Begleitsymptome (z.B. Schwindel, Schwitzen) auf. Bei
Dauertherapie besteht die Gefahr unkorrigierbarer Spätdyskinesien (besonders
perioral) (= Zuckungen um den
Mund herum), die das
soziale Leben des Patienten schwer beeinträchtigen können. Daher sollte die
Behandlung auf einige Wochen bis maximal 3 Monate limitiert (=
begrenzt) werden.
2.3 Lithiumsalze als medikamentöse Schmerzbehandlung
Einen festen Platz hat die Lithiumtherapie inzwischen in der Prophylaxe (=
Vorbeugung) des episodischen sowie chronischen
Cluster-Kopfschmerz
es;
bei Patienten über 45 Jahren ist Lithium Mittel der Wahl. Es gelten hier die
gleichen Prinzipien wie bei der Behandlung depressiver Erkrankungen.
Üblicherweise wird mit 675mg Lithium einschleichend begonnen. Eine weitere
(schrittweise) Dosissteigerung richtet sich nach dem Lithiumserumspiegel (=
gemessener Lithiumgehalt im Blut), der im ersten Behandlungsmonat
einmal pro Woche, später in Abständen von vier bis sechs Wochen kontolliert
werden muß.
Für eine prophylaktische (= vorbeugende)
Wirkung wird ein Serumspiegel 0,6-0,8 mmol / l angestrebt und sollte
einen von 1,3 mmol/l nie überschreiten; mit einer Intoxikation
(= Vergiftung) ist ab 2,0 mmol/l zu rechnen, ab 3,5 mmol/l besteht
Lebensgefahr.
Wenn der
Cluster
-Patient mindestens zwei Wochen völlig anfallsfrei geblieben
ist, kann eine Dosisreduktion bzw. ausschleichendes Absetzen in Betracht gezogen
werden.
3) Antikonvulsiva als medikamentöse Schmerzbehandlung
Primär werden diese Mittel gegen die Epilepsie (= Fallsucht) verordnet, sind bei neuropathische Schmerzen (z.B. Zentrale Schmerzen, Gürtelrose, Trigeminusneuralgie) aber auch als Schmerzmedikamente hilfreich. In der Schmerzbehandlung werden hauptsächlich Carbamazepin (z.B. Tegretal®), Gabapentin (Neurontin®) und Pregabali (Lyrica®) verordnet.
4) Schließlich können auch noch die Lokalanästhetica (= örtliche Betäubungsmittel) unter dem Oberbegriff "medikamentöse Schmerzbehandlung" subsumiert werden.
5) Spezielle Migräne - bzw. Kopfschmerzmittel finden Sie hier: www.bing-horton-syndrom.de/migraenemittel
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20.05.2006 k u
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